Wallfahrt zum Hl. Isidor, Patron der Stadt Madrid, aus Anlaß der 400. Jahre seiner Heiligsprechung

In Madrid wurde zum 15. Mai 2022 ein Jubeljahr zu Ehren des Hl. Isidor anläßlich der Heiligsprechung vor 400 Jahren ausgerufen. Der Hl. Isidor, in Spanien San Isidro Labrador genannt, wird als Schutzpatron der Stadt zusammen mit seiner Ehefrau Maria de la Capeza sehr verehrt. Er lebte dort als einfacher Landarbeiter von 1070 bis 1130, nach den Worten von Kardinalerzbischof Osoro als „Heiliger von nebenan“.

In der Kirche Colegiata sind die Reliquien San Isidros über dem Hochaltar in einem prächtigen Schrein und die seiner Ehefrau in einer gläsernen Vitrine aufbewahrt. Die Kapelle an der Nordseite des Presbyteriums erhebt sich über der Stelle, wo sich das erste Haus der Heiligen befand.

Aus Anlaß des Gedächtnisses der Heiligsprechung im Jahr 1622 durch Papst Gregor XV. reisten der Pfarrer von St. Peter, H.H Daniel Lerch, und H.H. A. de Andrade mit einer Pilgergruppe aus der St. Isidor- und Notburga-Bruderschaft von München nach Madrid.

Nach einer Festmesse am Freitag, den 27. Mai, in der St. Isidor-Kirche (Real Colegiata de San Isidro de Madrid) begann die feierliche Prozession, die Translatio del Sagrado Cuerpo Incorrupto de San Isidro. Der Reliquienschrein des Heiligen auf einer mit weißen Rosen über und über geschmückten Stafette zog von dort in die neue Kathedrale der Almudena, des „Liebfrauendoms“ von Madrid, zu einem Besuch bei der Gottesmutter, um am folgenden Tag wieder an seinen angestammten Platz zurückzukehren. Un día histórico!

Vorneweg mehrere Reiter in Prachtuniform mit roten Helmbuschen, dann ein langer Zug Gläubiger mit kleinen Kerzen und den Schrein begleitend die hohe Geistlichkeit und die Kleriker Madrids und Spaniens. Besonders eindrucksvoll die Damen in ihrem strengen Schwarz und der mit hohem Kamm befestigten Mantilla mit silbernen Prozessionsstäben! Den Schrein begleitend hohe Kerzen, von denen eine auch von einer Dame aus unserer Bruderschaft getragen werden durfte! So glitt der Schrein in der Dämmerung dieses milden Abends über die Köpfe der Gläubigen, teils in Schweigen, teils beim Vorüberzug an den Kirchen durch schönste Gesänge und Musikstücke begrüßt, langsam auf die Kathedrale zu. Mit brausendem Orgelklang wurde dort der Heilige empfangen, wo ihm zu Ehren nun eine feierliche Andacht stattfand. Unsere Pilger waren dabei, ausgestattet mit einer schönen, extra zu diesem Anlaß hergestellten Medaille an rotgelbweißer Kordel und in freundlichster Begleitung von Dr. Antonio García, der als Spanier sogar Mitglied in unserer Münchner Bruderschaft ist!

Neben schönen, aus voller spanischer Kehle gesungenen Liedern wurden einige Legenden aus dem Leben des Heiligen verlesen. Die wohl bekannteste Legende erzählt, daß dem Heiligen Landmann sehr am Gebet gelegen war, so daß neidische Nachbarn bereits lästerten, er werde nie mit seiner Arbeit fertig werden, da er so häufig auf dem sonnendurchglühten Feld auf den Knien liege. Aber, siehe da, während der arme Bauersmann Gott seine Gebete darbrachte, ward doch die Arbeit getan! Ein Engel hatte inzwischen den Pflug geführt!

Am Samstag, den 28. Mai, begannen die Feierlichkeiten mit einer Festmesse in der Almudena-Kathedrale. Seine Eminenz der Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro, verlas zu Beginn seiner Predigt das Grußwort unseres Kardinalerzbischofs von München, Reinhard Marx, auf das sich seine Predigt im Wesentlichen bezog. Er rief die Pilger auf, nach dem Vorbild des Heiligen unsere Mitmenschen aus der Begeisterung des Glaubens heraus zu lieben. So solle die „amor de Diós“, die Liebe Gottes, gelebt werden!

 Nach der festlichen Hl. Messe formierte sich in der Kirche der Prozessionszug, mit dem die Reliquien des Heiligen wieder „nachhause“ gebracht wurden. Aus dem rechten Seitenschiff kamen die Fahnen, wunderschön bestickte Banner, denen sich die jeweiligen Gruppen aus dem linken Seitenschiff anschlossen; so wanderten auch wir unter unserem Münchner Banner mit! Es waren ja Pilgergruppen und Bruderschaftsmitglieder aus ganz Spanien gekommen, teils – wie auch wir – in Trachten. Die Pilger aus Teneriffa machten mit den großen bunten Bommeln am Rocksaum die größte Furore, aber man sah auch Damen aus Madrid im Flamencokleid. Nun bei Tageshelle und -Hitze war die Prozession natürlich viel bunter und lebhafter. Die große Musikkapelle Chotis spielte auf und unter Vivatrufen zog nun der Schrein über die Plaza Major der Colegiata zu, wo die Feierlichkeiten mit einem wieder aus vollen Kehlen gesungenen „Regina coeli“ zu ihrem Ende kamen. Welch ein Tag!

Es ergaben sich dann noch weitere sehr schöne Begegnungen: Unser Herr Pfarrer Lerch konnte dem Präsidenten der Madrider Bruderschaft am folgenden Tag unser Gastgeschenk, eine farbige Holzfigur des Hl. Isidor überreichen, die nun tatsächlich ihren Ehrenplatz direkt am Schrein des Heiligen erhalten hat! Die Prachtkerze, die die Münchner Bruderschaft vor 50 Jahren, zum Jubiläum der 350. Heiligsprechung, nach Madrid gebracht hatte, durfte von uns besichtigt werden.

Es ist eine herzliche Verbindung entstanden, die nach einer Wiederholung der Pilgerfahrt verlangt, so daß zum Abschluß des Jubeljahres, am 15. Mai 2023, sicher wieder eine Abordnung der Münchner Bruderschaft nach Madrid fährt.

Es soll nicht vergessen werden, daß die große Freude und der Erfolg dieser Unternehmung ganz wesentlich auf den Vorbereitungen des Bruderschaftsekretärs, Herrn Edgar Horn, aufbaute. Einen großen Beitrag leisteten auch Frau Agnes Lell, die eine Tragetasche für die Bruderschaftsfahne genäht, und Herr Peter Pletzer, der die Heiligenfigur gesucht und gefunden hatte. Nicht zuletzt wurden offensichtlich die Gebete aller Bruderschaftsmitglieder erhört, die gewiss im Geiste in Madrid dabei waren,

31.5.22 Dorothea Hauck, Annemarie Wimmer

 

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